Rückblick GGR Archiv 1973 - 1979

Nachstehend ein kleiner, nicht ganz ernst gemeinter Rückblick auf die Ratstätigkeit seit Bestehen des Grossen Gemeinderates 1973.

1979 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Die Berner Zeitung BZ löst die Berner Nachrichten und das Berner Tagblatt ab.
  • Tod von Stadtpräsident Dr. Reynold Tschäppät.
  • GGR-Präsident: Martin Keusen (SP).
  • Ratssekretär Erich Kobel wechselt als Journalist zum „Bund“.
  • Neuer Ratssekretär: Otto Stalder.

1979 - innerhalb der Gemeindegrenze

... und wieder regt sich Widerstand im und ausserhalb des Rates...

  • Namens der GPK lehnt Theo Weber (SVP) die Behandlung des Ueberbauungsplanes „Unterdorf“ mangels Dokumentation mit einem geeigneten Plan ab. Dieses Ansinnen stösst beim Gemeinderat auf wenig Verständnis, denn „...schliesslich wohnen wir alle in Ostermundigen und wissen, wo sich das Bauernhaus von Hans Zimmermann befindet und wo es hinuntergeht gegen die Unterdorfstrasse...“. Offensichtlich ist dies nicht der Fall, denn der Antrag auf Nichtbehandlung des Geschäftes wird mit grossem Mehr genehmigt.
  • Mit der Note „ungenügend“ wird die Bauabrechnung der Schulanlage und des Hallenbades Dennigkofen von der GPK gerügt. Grund der Schelte ist die verspätete Vorlage (5 Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage) und der Nachkredit von 3,3 Mio. Franken (Baukredit 13 Mio. Franken), welcher offensichtlich aufgrund verwirrender Vertragsverhältnisse entstanden ist. Nach zweimaliger Beratung dieses Geschäftes in der GPK empfiehlt ihr Sprecher Theo Tschannen (SP) dem Gemeinderat, „...Werk- und Honorarverträge inskünftig nicht nur zu unterschreiben, sondern auch zu lesen.“.
  • Ausserhalb des Ratsbetriebes beklagen vier Parlamentarierinnen das Arbeitsklima im Grossen Gemeinderat als nicht ideal. So wird im „Bund“ vom 10. Juli 1979 resigniert festgestellt, „... die Vertreterinnen des sogenannt schwächeren Geschlechts fänden nicht den Mut zur Gegenattacke, wenn ein „alter Hase“ seine Erfahrung in die Waagschale werfe. Zudem werde man wegen des kleinsten „Versprechers“ kritisiert...“. Allerdings bleibt der so angekündigte Exodus der Frauen weitgehend aus.

1978 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Staatsrechnung 1977: 13.2 Mio. Ueberschuss, anstelle von 91 Mio. Franken Defizit.
  • Frauen, die mit Badekleidern ohne Oberteil baden oder sonnen, dürfen nicht mehr verklagt werden.
  • Der Kanton Jura wird gegründet.

1978 - innerhalb der Gemeindegrenze

...das Jahr 1978 ist von zahlreichen Kreditbwilligungen geprägt...

  • Immerhin werden insgesamt rund 3 Mio. Franken bewilligt für Landerwerbe, Strassen- und Kindergartenbauten.
  • Tröstlich ist, dass das Parlament trotz dieses ansehnlichen Investitionsvolumens den Blick für die Details nicht verliert, denn mit Argusaugen wird bei der Beratung des Voranschlages festgestellt, dass in Garderoben von Turnanlagen tatsächlich Steckdosen montiert werden sollen. Grund dafür ist, „...dass die Schüler im Interesse ihrer Gesundheit nach dem Duschen ihre Haare mit dem Fön trocknen können.“.
  • Schliesslich beschliessen die Stimmberechtigten der Einwohnergemeinde Bolligen, sich in drei Einzelgemeinden auflösen zu wollen. Die Mehrheit wird allerdings nur in Bolligen und Ittigen festgestellt, währenddem Ostermundigen ablehnt, sodass es vorderhand bei der bestehenden Organisation bleibt.

1977 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Elisabeth Blunschy (CVP) wird als erste Frau zur Nationalratspräsidentin gewählt.
  • Verurteilung von Brigadier Jeanmaire zu 18 Jahren Zuchthaus.
  • 1. Internationales Folk-Festival auf dem Gurten.
  • Einführung Ferienpass in der Stadt Bern.

1977 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ....voller Elan begibt sich das Parlament in seine 2. Legislaturperiode.
    Sitzverteilung: SP 19, FDP 7, SVP 6, CVP 3, LdU 3, EVP 2.
    Präsident: Kurt Rüedi (SVP)
  • Die Kommissionswahlen sorgen bereits in der ersten Sitzung für heisse Köpfe. Von der SP wird es nicht ohne weiteres goutiert, dass ihr in geheimer Abstimmung vier Sitze gekappt werden, erhebt sie doch in 5-er Kommissionen Anspruch auf 3 und in 7-er Kommissionen gar auf 4 Mitglieder. Sie reicht Beschwerde beim Regierungsstatthalter ein.
  • Theo Tschannen (SP) äussert sich zur Motion gegen eine Versetzung des Gavillet-Bauernhauses auf den Ballenberg wie folgt „..Ich kann die Motion nur unterstützen, wenn der Motionär bereit ist, am Bauernhaus folgende Inschrift anzubringen: „Dieses Bauernhaus samt Speicher konnte dank der Motion Hartmann (CVP) erhalten bleiben. Die Hauskosten betrugen Fr. ........, die jährlichen Unterhaltskosten betragen Fr. .....“. Solch knorrige Reden sollen später noch viele folgen.
  • Für rund Fr. 95’000.-- schafft das Parlament einen Buchungsautomaten NCR 8100 (damals neueste Technik) an, unter der Bedingung, dass in den Automaten auch die Daten für die Pensionskassenabzüge und die SUVA-Abrechnungen gespeichert werden können.

1976 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • 910 Arbeitslose in der Stadt Bern; gesamtschweizerisch 26’000.
  • Die Arbeitslosenversicherung wird obligatorisch eingeführt.
  • Verhaftung von Brigadier Jeanmaire
  • Auflösung des Berner Jugendparlamentes

1976 - innerhalb der Gemeindegrenze

...und noch immer sorgt die Ortsplanung für turbulente Debatten...

  • Der Richtplan „öffentlicher Verkehr“ findet im Parlament keine Gnade, denn - man höre und staune - bereits damals wird gefordert „...vom Gedanken einer Tramlinie nach Ostermundigen muss hier und heute endgültig Abstand genommen werden“.
  • Seltene Einigkeit herrscht hingegen bei der Kreditbewilligung für den Bau des Wehrdienstmagazins. Unbehagen verursacht allerdings die Kehrtwende des Gemeinderates, der für die Schlauchtrocknungsanlage anstelle der Variante „Turm“, der horizontalen Variante den Vorzug gegeben hat. Hätte der Turm doch ein eigentliches Wahrzeichen Ostermundigens werden sollen.
  • Zum Abschluss der Legislatur stellt der Präsident nicht ohne Stolz fest, dass aus anfänglich 5, nun doch stattliche 8 Sitzungen haben durchgeführt werden können, was von einer seriösen und guten Arbeit zeuge.

1975 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Der Felsenauviadukt wird dem Verkehr übergeben
  • Betriebsaufnahme der PTT-Richtstrahlantenne Ulmizberg
  • Arbeitslosenzahl in Ostermundigen: 20 Personen
  • GGR-Präsident: Charles Schoch (FDP).

1975 - innerhalb der Gemeindegrenze

...für den GGR steht des Jahr 1975 ganz im Zeichen der Ortsplanung...

  • Bereits die ersten Voten zu diesem Thema lassen die zu erwartenden Gefechte erahnen und schon bei der Bestellung der parlamentarischen Ortsplanungskommission ist der politische Friede endgültig dahin. So will die SP nicht eintreten, weil sie statt 3 Sitzen deren 4 (von 9) beansprucht und sich die Bürgerlichen beklagen, ihnen werde destruktive Politik vorgeworfen, woraufhin die SP die Verweigerung ihrer Mitarbeit androht, was die Bürgerlichen ihrerseits wiederum als Spezialität der SP bezeichnen. ... und so weiter, und so weiter...
  • Immerhin, bei sportlichen Anliegen herrscht einigermassen Einigkeit, so wird eine Motion zur Sanierung des Sportplatzes Oberfeld doch relativ deutlich überwiesen.
  • Die ständigen Forderungen des nach Akzeptanz strebenden jungen Parlamentes nach mehr Informationen, Grundlagen und Papieren, lassen Gemeindepräsident Jakob Knöpfel sehnsüchtig auf die Zeiten der Gemeindeversammlungen zurückblicken „...als man noch mündlich orientieren konnte und nicht zu jedem Geschäft noch separate Botschaften verfassen musste...“.

1974 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Letzte Fahrt des „blauen Bähnlis“ ab Kornhausplatz.
  • Einweihung neuer Hauptbahnhof.
  • 10 % Teuerungszulage.
  • Verzicht auf Tramlinie Bümpliz aus finanziellen Gründen, dafür Umstellung auf Trolleybus.
  • Eröffnung Hallenbad „Dennigkofen“.

1974 - innerhalb der Gemeindegrenze

... im GGR lassen sich die ersten „heissen“ Diskussionen an...

  • Um sich die notwendige Wichtigkeit „als Unterabteilung im ganzen Orchester“ zu verschaffen, findet die erste Sitzung auf Eingabe von 10 Ratsmitgliedern erzwungenernmassen statt. Wesentlicher Diskussionspunkt ist einmal mehr das Protokoll, welches durch besagten Jungpolitiker allerdings nur noch auf 1 A-4 Seite, aber nicht weniger entschieden, korrigiert und richtiggestellt wird. Wie sich herausstellt, fehlt dem Protokollführer „in diesem oder jenem Geschäft der Ueberblick und die Beziehung“.
  • Der erste Verwaltungsbericht steht zur Diskussion. Dies gibt Anlass dem Gemeinderat zu erklären, dass das Parlament zwar aus Laien, aber nicht aus Dummköpfen besteht, denn namens der GPK wird unter dem Abschnitt „Bauwesen“ präzisiert: „ ....es ist nicht notwendig zu erwähnen, dass ein Einfamilienhaus eine Wohnung aufweist, wären es nämlich zwei, so würde es sich nicht um ein Einfamilienhaus handeln...“. Zum Thema „bauliche Massnahmen für Behinderte“ wird vom Gemeinderat festgestellt, „...in Ostermundigen wurden in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Trottoirabsenkungen erstellt, dies zugegebenermassen nicht aus Rücksichtnahme auf die Invaliden, sondern wegen der zunehmenden Mechanisierung des Strassenreinigungssystems...“.
  • Der Widerstand der neu zugezogenen Rütianer gegen die Terrassensiedlung und das Hochhaus, welche ein zu grosses Verkehrsaufkommen bringe und den Schlittelhügel gefährde, wird vom zuständigen Gemeinderat - einem veritablen Dorfianer - mit folgenden klaren Worten deutlich abgeschmettert: “....Wir haben in der Rüti dermassen viele Autos (wie ich mir sagen liess, existiert bereits hier und dort ein Zweitwagen), dass 30 - 40 Wagen nicht mehr ins Gewicht fallen...“. Vollends in Rage gerät er in der Frage bezüglich Schlittelhügel: „....dazu möchte ich bemerken, dass die Rütianer uns, den alteingesessenen Ostermundigern, den Schlittel- und Skihang weggenommen haben; dies ist doch wohl die richtige Perspektive in der Sache....“. Die nicht weniger geharnischte Antwort darauf: „...Obwohl man uns „Rütianer“ nennt, ist dies nicht zu verwechseln mit „Indianer“, und wir befinden uns nicht in einem Reservat und müssen praktisch tun, was die Zentralregierung uns befiehlt....“. Die Stellungen sind also bezogen.
  • Am 26. September 1974 wechselt des Parlament den Sitzungsort vom Tell-Saal in die Aula der Schulanlage Mösli.

1973 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Fertigestellung PTT Hochhaus ERZ (neues Wahrzeichen von Ostermundigen).
  • Umstellung sämtlicher SVB-Linien auf Selbstbedienung.
  • Betriesbaufnahme ARA-Worblental.
  • Postzustellung nur noch 1 mal (statt 2 mal) infolge Personalmangels.
  • 8 % Teuerungszulage.
  • Elektrifizierung Marzilibahn.

1973 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ....und im GGR Ostermundigen?
    Sitzverteilung 1. Legislatur:
    SP 19, FDP 7, BP 5, CVP 4, LdU 3, EVP 2.
    Präsident: Andreas Jenzer (SP)
  • Wahlen, Organisatorisches, Angewöhnungszeit, noch nichts Spektakuläres
  • Beinahe wichtigstes Geschäft ist die Protokollführung des damaligen Ratssekretärs Erich Kobel (späterer Bund-Redaktor, zuständig für Ostermundigen), welches auf sage und schreibe 3 A-4-Seiten von einem ambitiösen Jungpolitiker namens Peter Röthlisberger (FDP) bemängelt wird.