Rückblick GGR Archiv 1980 - 1989

Nachstehend ein kleiner, nicht ganz ernst gemeinter Rückblick auf die Ratstätigkeit seit Bestehen des Grossen Gemeinderates 1973.

1989 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Elisabeth Kopp tritt aus dem Bundesrat zurück.
  • 200. Jahrestag der französischen Revolution.
  • Tod des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini.
  • Die Berliner Mauer fällt.
  • Die Armeeabschaffungsinitiative wird abgelehnt.
  • Chemieunfall in der Intermilch AG in Ostermundigen.

1989 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ...die 5. Legislaturperiode beginnt. Erstmals seit Menschengedenken ändern sich im Sog der Wahl von Theo Weber (SVP) zum Gemeindepräsidenten die Machtverhältnisse in der Ostermundiger Politlandschaft. Nun wetzen die Bürgerlichen die Messer...
    Sitzverteilung: SP 12, SVP 9, FDP 8, CVP 3, EVP 3, LdU 2, POCH 2, DA 1.
    Präsident: Peter Künti (SVP)
  • Zur Straffung des Ratsbetriebs schlägt der Präsident vor, bei den Voten inskünftig auf die Anreden zu verzichten und sofort zur Sache zu kommen. Einige Sitzungen später und angesichts der Wichtigkeit seines Votums zur SVP-Motion betreffend getrennter Vorlage für die Hundesteuer, gerät diese Ermahnung bei Bernhard Leiser (FDP) leider in Vergessenheit. So lässt er sich denn zu folgender Rede hinreissen: „...Herr Präsident, sehr verehrter Herr 1. Vizepräsident, verehrte Frau 2. Vizepräsidentin, meine Damen und Herren Stimmenzähler, Frau Ratssekretärin, Herr Gemeindepräsident, geehrte Damen und Herren Gemeinderäte, Herr Gemeindeschreiber, liebe Vertreter der Presse, geschätzte Ratskolleginnen und -kollegen, die FDP-Fraktion unterstützt die Motion nicht.“
  • Und wieder steht der Sportplatz Rüti zur Diskussion, diesmal durch eine SP-Motion initiiert. Mit seinem bekannten analytischen Verstand erklärt Walter Gut (SVP) das seltsame parteipolitische Wechselspiel in dieser Angelegenheit wie folgt: „...Dieses Geschäft geht zurück auf den Zeitpunkt, als Herr Jakob Knöpfel erstmals als Gemeindepräsident gewählt wurde. Damals haben einige Stimmberechtigte nämlich auf Ihren Wahlzettel geschrieben: „Wir brauchen keinen Appenzeller, wir brauchen einen Sportplatz...“.
  • Das Jahr 1989 mausert sich allmählich zum Hundesteuer-Jahr, welches Ostermundigen in seinen demokratischen Grundfesten zu erschüttern droht. Die Vorschläge aus dem Parlament, wie es angestellt werden könnte, um die Bürgermeinung über die Hundetaxe in Erfahrung zu bringen, lassen den Gemeindepräsidenten die Schlussfolgerung ziehen: „...Wollen wir im Sinne der gemachten Vorschläge vorgehen, müsste die Abschaffung des Parlamentes und die Wiedereinführung der Gemeindeversammlung in Betracht gezogen werden“.
  • Die Schaffung einer Kindertagesstätte wird von einigen Ratsmitgliedern sehr skeptisch unter die Lupe genommen. Walter Gut (SVP) argwöhnt dahinter gar „den ersten Schritt zur Staatserziehung“. Wogegen Rose-Marie Stahel (EVP) eigentlich nur materielle Gründe von sich selbst verwirklichenden Frauen erkennen kann. Trotz diesen kritischen Gedanken wird die Kinderkrippe genehmigt.

1988 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Tod von Gemeindepräsident Alfred Imhof.
  • Brand in Hotel International in Zürich; 6 Menschenleben werden gefordert.
  • Vernichtung von Mittelstreckenraketen durch die beiden Supermächte USA und UdSSR.
  • 60. Geburtstag von Mickey Mouse.

1988 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ... der unerwartet plötzliche Hinschied von Gemeindepräsident Alfred Imhof überschattet das Jahr 1988...
  • Zu Beginn des Jahres gibt die Amtszeitbeschränkung Diskussionsstoff. Die Bedenken von Walter Gut (SVP) gegenüber der vorgeschlagenen rückwirkenden Amtszeitbeschränkung sind einmal mehr grundsätzlicher Art. Mit anderen Worten ausgedrückt, grundsätzlich hat er nichts gegen die Einführung einer Amtszeitbeschränkung, diese soll aber erst ab der nächstfolgenden Legislaturperiode gelten, was dem Rat denn auch einleuchtet und so beschlossen wird.
  • Auf Anregung der FDP trifft sich das Parlament inskünftig nach der Sitzung zu einem gemeinsamen Umtrunk in einem Ostermundiger Restaurant (mit Ueberzeitbewilligung).
  • Der plötzliche Hinschied von Gemeindepräsident Alfred Imhof beschert dem SP-Politiker Willi Wild einen Senkrechtstart. Als gerade nachgerückter Parlamentarier rutscht er nach nur einer Sitzung schon in den Gemeinderat nach.
  • Die Gemeindeinitiative der FDP betreffend Einführung eines Abendverkaufes stösst bei der Linken immer noch auf keine Gegenliebe. Der inzwischen zu den Parteilosen konvertierte Jürg Schärer kann sich des Eindrucks nicht erwehren „...dass hier im Rat politische Filzpantöffelchen getragen werden, um den Holzboden des Abendverkaufes zu betreten, ohne grossen Lärm zu verursachen...“. An der liberalen Haltung von Thomas Werner (DA) hat sich seit der letzten Diskussion über dieses Thema nichts geändert, was von Peter Röthlisberger (FDP) immerhin als „bemerkenswert“ quittiert wird.
  • Der Voranschlag 1989 steht im Zeichen der Hundetaxe. Mit dem Antrag von Walter Gut (SVP) auf Erhöhung der Hundetaxe von Fr. 50.-- auf Fr. 100.-- liessen sich sage und schreibe Fr. 22’000.-- einsparen. Gemeinderat Burgunder, selbst Kynologe und Kenner der Freuden und Leiden eines Hundehalters, argwöhnt keine finanziellen Gründe hinter diesem Antrag, sondern prinzipielle, was er in einer flammenden Rede zugunsten des Hundes und seines Halters umzubiegen versucht. Schliesslich - und nach weiteren hitzigen Wortwechseln - wird der Antrag durch Stichentscheid des Ratspräsidenten abgelehnt.
  • Die Bike and Ride Anlage am Dammweg ist eigentlich unbestritten. Auf Unverständnis bei Fritz Probst (SP) stösst lediglich die „Verenglischisierung“ der deutschen Sprache, was ihn spontan zu folgendem Gedicht inspiriert:
    „We du am Samschtig z’Oschtermundige uf Ichoufstrip wosch gah, fasch bim Zweirad-Peter a. De geisch villich zur Rediffusion, chasch aber o im Beverly Hill e Video Cassette choufe, oder muesch no zersch im Dreamland öppis ha. Bluejeans choufsch im Men’s Shop y, villech darfs o öppis usem Shop Trice sy. Hesch d’s Portemonnaie vergässe, de tuesch dr’s eifach lease. We de no dr Frou tuesch telefoniere, nimmsch eifach d’Tax Card füre. We de müed bisch im Chopf u i de Bei, de geisch ids Lord und trinksch echlei, sigs es Bitter Lemon oder es Sprite. Dernah loufsch zrügg und nimms d’s Velo grad im Bike and Ride...“.
    Was vom Ratspräsidenten mit den Worten „...Ich danke Dir mein lieber Fritz, das war wirklich gut und spitz...“ quittiert wird.
  • Ein weit ernsthafteres Thema ist das Verkehrskonzept. Für einmal wird der Gemeinderat vom Parlament mit Gratulationen und Dank für diese Planung geradezu überhäuft. Diese Sympathiebekundungen lassen schliesslich den Kommissionspräsidenten und ehemaligen Vizegemeindepräsidenten Cuno Amiet ans Rednerpult treten und seinerseits danken: „...Obwohl diese Kommission aus „Roten“, „Gelben“, „Grünen“, „Blauen“ usw. zusammengesetzt war, handelte es sich um eine hervorragende Gruppe. ...Zu Beginn der Konzeptarbeiten erklärte ich einmal, irren ist menschlich und geirrt habe ich mich schon mehrmals, auch damals, als ich diese Kommission übernommen habe. Ich hoffe nun, dass ich mich jetzt nicht irre, und man in fünfzehn Jahren nicht sagen wird, „wer hier verkehrt, verkehrt verkehrt“...“. Einstimmig und mit Applaus wird das Verkehrskonzept genehmigt.

1987 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Jahrhundertkälte in Europa. Im Jura Temperaturen bis minus 45°.
  • Die Kanalfähre „Herald of Free Enterprise“ kentert. Ueber 200 Tote sind zu beklagen.
  • Schwere Unwetter in der Schweiz. Flüelen wird praktisch weggeschwemmt.
  • Uwe Barschel stirbt in einem Genfer Hotel auf mysteriöse Weise.
     

1987 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ...das Parlament begibt sich unter die Führung von Walter Schwarz (FDP)...
  • Seltene Einstimmigkeit herrscht beim Erwerb des „Gerber-Hauses“ an der Bernstrasse.
  • Und wieder steht das Thema „Fussball“ zur Diskussion. Diesmal allerdings nicht direkt sportlich, sondern eher gesellschaftlich gemütlich, steht doch die Ueberzeitbewilligung bei den Sommernachtsfesten der Fussballvereine zur Debatte. Von der Thematik etwas überrascht stellt Theo Tschannen (SP) trocken fest: „...Bisher habe ich immer angenommen, die Sportvereine seien da um Sport zu treiben und nicht um zu feiern. Es ist mir unverständlich, dass man die Kassen füllen will, indem man die Leute abfüllt...“. Womit das Thema denn auch abgehandelt ist.
  • „Gartenglück mit Schnellkompost“. So heisst der Ratgeber, nach welchem Walter Gut (SVP) seit 1956 mit Schachtelhalmen und allen möglichen Mixturen kompostiert und sich darüber freut, wenn sich nach seinen Experimenten Würmer bemerkbar machen. Dafür braucht es seiner Meinung nach keinen Lehrmeister - sprich Kompostberater - und so beantragt er die entsprechende Budgetposition zu streichen.
  • Wieder einmal bekommt der Gemeinderat sozusagen „eins aufs Dach“. Trotz verzweifeltem Kampf von Gemeinderat Romeo Gennari hat der 12 Mio.-Kredit für die Schulanlage „Rothus“ keine Chance.
  • Der Aemterklassifikation für das Gemeindepersonal ist ein derartiger Wirbel vorausgegangen, dass erstmals in der Geschichte des Ostermundiger Parlamentes eine Abstimmung mit Namensaufruf durchgeführt wird. Dies im Beisein von zahlreichen Gemeindebediensteten im Zuschauerraum. In ablehnender Haltung wirft Rose-Marie Stahel (EVP) dem Parlament denn auch vor, sich an diesem Geschäft nicht die Finger verbrennen zu wollen, was Markus Angehrn mit dem Wunsch (SP) auf den Plan ruft „...mich würde es reizen, morgen die Erziehungsdirektion anzurufen und zu verlangen, den Kindergärtnerinnen seien die Löhne zu senken...“. Woraufhin sich Rose-Marie Stahel spontan entschliesst, ab sofort eine Lohnklasse ihres Gehaltes einer gemeinnützigen Institution zur Verfügung zu stellen mit der Beteuerung, die entsprechenden Quittungen seien jederzeit einsehbar. Das Geschäft passiert mit einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen die politische Hürde.

1986 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Brand im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl.
  • Brand im Chemie-Unternehmen Sandoz in Schweizerhalle.
  • Bundesrat Kurt Furgler tritt zurück. Arnold Koller wird sein Nachfolger.
  • Der Film „Der Name der Rose“ wird gedreht.
  • Die Gemeinde Vechigen wird von schweren Unwettern heimgesucht.

1986 - innerhalb der Gemeindegrenze

...gegenüber dem wort- und diskussionsreichen Jahr 1985, gestaltet sich das Jahr 1986 geradezu zahm. Immerhin, auch hier sind einige Rosinen zu finden...

  • Veloförderung ist angesagt. Namens der IG Wohnliches Ostermundigen überreicht Walter Gut (SVP) dem Gemeinderat und der Verwaltung ein Velo. Mit blumigen Worten unterstreicht er die Vorteile dieses Verkehrsmittels und möchte mit diesem Geschenk ein Symbol setzen für das zukünftige Verkehrsverhalten in Ostermundigen.
  • Etwas pikiert gibt sich POCH-Vertreter Christian Zahler ob der etwas despektierlichen Behandlung der Volksinitiative „Ostermundigen grün und wohnlich“ durch den Gemeinderat. Peter Röthlisberger (FDP) erachtet die Initiative - und auch den Gegenvorschlag - gar als überflüssig und stellt das ganze unter das Motto „...nützt es nichts, schadet es nichts...“. Die ehrfurchtslosen Voten lassen sogar Jürg Schärer resigniert feststellen „...Wäre ich nicht selber Mitglied der POCH, so täte ich mir leid.“.
  • Die Motion der FDP betreffend Sanierung des Allwetterplatzes Rüti I lässt die Fussballer-Herzen höher schlagen. Auch dasjenige des zuständigen Gemeinderates. Dies ist der Anfang einer langen Kunstrasenplatz-Geschichte. Fortsetzung folgt.
  • Das Parlament feiert seine 100. Sitzung. Wer nun aber glaubt, es sei zumindest kurzfristig Minne eingekehrt, täuscht sich gewaltig. Der Rückweisungsantrag der POCH-/ DA-Fraktion zum Landerwerb der Parzelle 1538 in der Rüti, welchem eine offener Brief in den Medien vorangegangen ist, gibt Anlass zu heftigen Kontroversen. In weiser Voraussicht gibt der Gemeindepräsident zu bedenken: „...Sollte es uns gelingen, diesen Schiessplatz dereinst zu verlegen, kann ich mir keine schönere Wohnlage an dieser Stelle vorstellen...“. Selbst der in Finanzfragen sehr versierte Schiessplatzgegner Walter Bruderer (LdU) findet den Kaufpreis verlockend. Lässt er doch verlauten „...Würden mir persönlich die finanziellen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, hätte ich selbst versucht, das Areal zu erwerben...“. Das Parlament lässt sich davon überzeugen und bewilligt den erforderlichen Kredit für diesen Landerwerb.

1985 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Michail Gorbatschov wird Staatspräsident der Sowjetunion.
  • In Solothurn wird das erste Retortenbaby der Schweiz geboren.
  • Bei einen Lawinenunglück zwischen Täsch und Zermatt sind 11 Tote zu beklagen.
  • Neuer Gemeindepräsident von Ostermundigen ist Alfred Imhof (SP).
  • Neuer Gemeindeschreiber ist Otto Stalder.
  • Neue Ratssekretärin ist Marianne Meyer.

1985 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ...mit grossen Veränderungen tritt der Grosse Gemeinderat in seine 4. Legislaturperiode. Nicht nur zahlreiche personelle Wechsel, sondern auch der Einzug der „Progressiven und „Alternativen“ wird für Salz in der Suppe sorgen.
    Sitzverteilung: SP 15, FDP 7, SVP 6, CVP 4, EVP 3, LdU 2, POCH 2, DA 1
    Präsident: Willy Hosner (SP).
  • Bereits bei den Kommissionswahlen werden die Nerven von einigen erfahrenen Parlamentsmitgliedern durch die „Neuzuzüger“ von links arg gereizt. Die Jugendkommission ist Streitgegenstand, was schliesslich zur Belehrung führt, dass Wahlgeschäfte formal juristische Geschäfte sind und nicht Anlass zu Grundsatzdiskussionen über die Jugendpolitik darstellen. Die Weichen sind gestellt und die Positionen bezogen.
  • Von den POCH-Vertretern werden gleich zu Beginn des Jahres nicht weniger als sechs Vorstösse eingereicht. Mit einer Ausnahme werden sie aber alle sozusagen „abgeschmettert“.
  • Harte Diskussionen verursacht die überparteiliche Motion betreffend Verzicht auf die Verbindungsstrasse Forelstrasse/Bolligenstrasse. Mit der Argumentation des Erstunterzeichners „...lieber ein unperfektes geschichtlich gewachsenes Strassennetz, als eine perfekte Fehlplanung...“ wird - so SVP-Sprecher Walter Gut - „...die immer wieder auftauchende Wasserleiche...“ endgültig versenkt und die Motion überwiesen.
  • Etwas Neues hält Einzug. Zum Ziel des Ratsausfluges wird erstmals eine persönliche Erklärung abgegeben. POCH-Vertreter Jürg Schärer kann der Einladung nämlich aus ideologischen Gründen nicht folgen, soll die Reise doch ins propagandistische NAGRA Felslabor im Oberhasli führen. Dem Ratsbüro wird nahegelegt, inskünftig „harmlosere“ Ausflugsziele zu suchen.
  • Und wieder wird unter Beweis gestellt, dass man sich nicht nur den grossen Würfen, sondern auch den Details anzunehmen hat. Nach den Berechnungen von Roland Wymann (EVP) fehlen gemäss Verwaltungsbericht 1984 nämlich ganze 25 Hydranten. Wo, fragt er sich, sind denn diese geblieben? Einigermassen ratlos bittet der zuständige Vizegemeindepräsident den Rat um Verständnis, dass er nicht jeden einzelnen Hydranten auf Gemeindegebiet nachgezählt hat.
  • Völlig in die Nesseln setzt sich der Gemeinderat mit dem Ueberbauungsplan mit Sonderbauvorschriften Poststrasse. Die „110 %ige Ueberzeugung“ des Gemeinderates kann nicht überzeugen. Es wird auch nicht geglaubt, dass „...der Gemeinderat schlauer ist, als die sehr schlaue Bauherrschaft oder mit anderen Worten, dass die Gemeinde wohl meint, sie habe den Fünfer, das Weggli und auch gerade noch die Bäckerstochter in der Hand...“.
  • Abendverkauf ja oder nein. Hart gerungen wird um das neue Ladenschlussreglement. Während die Positionen zwischen links und rechts relativ klar sind, schleicht sich ein neues Phänomen ein. Der DA-Vertreter Thomas Werner erweist sich nämlich als liberalster Linker, da er absolut keine Veranlassung sieht, irgendwelche Ladenöffnungszeiten zu regeln. „...Sollen doch alle Ladenbesitzer die Oeffnungszeiten ihrer Geschäfte selbst gestalten, schliesslich sind sie mündige Bürger...“. Die etwas hektische und teilweise beinahe ins Komische abrutschende Beratung trägt dem Parlament in der Presse den Uebernamen „Cabaret Mösli“ ein. Der Rat trägt’s mit Fassung.

1984 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Eröffnung eines Selbstbedienungsrestaurants auf dem Gurten als Uebergangslösung.
  • 1091 Arbeitslose in der Stadt Bern.
  • Die Berner Finanzaffäre nimmt ihren Anfang.
  • Spannungen zwischen Italien und der Bundesrepublik, weil der italienische Aussenminister Andreotti die Wiedervereinigung als Utopie brandmarkt.
  • Elisabeth Kopp wird zur ersten Bundesrätin gewählt.

1984 - innerhalb der Gemeindegrenze

...ein Wahljahr beginnt, was sich bereits in den Turbulenzen der ersten Sitzung bemerkbar macht....

  • Quasi als „Altlast“ wird die Kreditabrechnung zur Ortsplanung betrachtet, welche dem Parlament vier Jahre nach Abschluss unterbreitet wird und mit einer Kostenüberschreitung von 76 % nach Auffassung des GRPK-Sprechers Hans-Ulrich Suter (FDP) „...sicher keine olympische Medaille verdient“.
  • Hart erkämpft sich Karl Hebeisen (SP) die Umwandlung der Bachstrasse in eine Wohnstrasse. Nach mehrmaligen Aufrufen von Walter Gut (SVP), die Angelegenheit einmal grundsätzlich zu betrachten, stellt Theo Tschannen (SP) die Frage „...Was ist grundsätzlich?...“ mit der gleichzeitigen Feststellung: “...Grundsätzlich ist einmal unsere Demokratie. Im Quartier wurden 320 Fragebogen verteilt. 197 haben betreffend Wohnstrasse mit JA und 5 mit NEIN geantwortet, 5 haben für eine andere Lösung gestimmt. Die Fragebogen sind durch die Gemeinde geprüft worden, d.h. die Gemeinde hat diese Umfrage legalisiert. Wenn wir diese Tatsache als nichtig betrachten, treten wir unsere Demokratie nicht nur mit Füssen, sondern wir zerstören sie mit einer Atombombe...“. Auf einen Atomkrieg will sich das Parlament denn doch nicht einlassen und beschliesst in geheimer Abstimmung, die Wohnstrasse in Form einer kostengünstigeren Variante weiterzuverfolgen.
  • Auch die nächste Verkehrsvorlage des Gemeinderates stösst auf wenig Gegenliebe. Auf die Sanierung der Verkehrsknoten Bahnhofstrasse/ Bernstrasse und Bernstrasse/ Schermenweg infolge der Eröffnung des neuen Coop-Centers will die SP gar nicht erst eintreten. Einen für spätere Zeiten wegweisenden Entscheid trifft das Parlament mit der Ablehnung der vorgeschlagenen Lichtsignalanlagen an diesen Knotenpunkten. So stellt Fritz Probst (SP) denn auch fest „...Es führen viele Wege nach Rom. Mit Lichtsignalanlagen kommen wir aber nicht dorthin...“. Walter Gut (SVP) fürchtet gar „...einen Christbaum von Lichtern...“ und belehrt den Gemeinderat, „...dass er kein Lichtsignalanlagenkonzept erwartet, wenn von einem Verkehrskonzept und einer Gesamtlösung die Rede ist“.
  • Zwei Pensionsversicherungsgeschäfte geben viel zu reden. So hinterlässt die grundsätzliche Regelung der Sozialversicherungen für den hauptamtlichen Gemeindepräsidenten bei Ernst Zürcher (SP) den Eindruck „...dieses Geschäft ist wie ein Bikini. Es zeigt viel, verdeckt aber das Wichtigste...“. Akzeptiert wird es schliesslich doch. Nicht so die Regelung der Altersvorsorge für den derzeitigen Gemeindepräsidenten, welche zur Ueberarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen und schliesslich genehmigt wird.

1983 - über die Gemeindegrenez geschaut

  • Maria Schaer (EVP) ist erste Berner Stadtratspräsidentin.
  • Der Bundesrat beschliesst die Einführung der Autobahnvignette.
  • Tod des letzten Clowns der alten Garde: Charlie Rivel.
  • Die neue Krankheit AIDS wird auch in Bern festgestellt.
  • GGR-Präsident: Rudolf Michlig (CVP).

1983 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ...endlich ist es soweit. Am 10. Februar 1983 tritt der Grosse Gemeinderat von Ostermundigen erstmals als Parlament einer selbständigen Gemeinde zusammen und kann sich endlich „ohne grosse Schwester“ voll entfalten. Wie der Präsident richtig feststellt, „...wird diese Sitzung in die Chronik eingehen“.
  • Die Turbulenzen rund um die Verselbständigung haben vermutlich auch den Ratssekretär etwas verwirrt, hat er doch ein treues Mitglied der SVP kurzerhand in die SP verschoben, was letzteres entrüstet richtigstellt.
  • Ein schwerwiegendes Problem stellt sich gleich zu Beginn der 2. Sitzung, nämlich die Sitzungsumerierung. Handelt es sich nun um die 70. Sitzung (gemäss Einladung) oder um die 2. Sitzung (gemäss Einleitung des Präsidenten)? Der Vorsitzende versichert, sich dieser schwierigen Frage anzunehmen.
  • In weiser Voraussicht stellt Theo Weber als Sprecher der GRPK zum Projektierungskredit „Neubau Werkhof“ fest: „... das Projekt Werkhof sollte erst realisiert werden, wenn es dem einheimischen Baugewerbe etwas nützt, damit allenfalls Arbeitsplätze erhalten oder gerettet werden könnten.“
  • Bei der Beratung der Verwaltungsrechnung 1982 stellt die GRPK bei den Wehrdiensten verschiedene Differenzen fest. Nach gründlicher Ueberprüfung durch den GRPK-Sprecher Theo Tschannen (SP) werden die Wehrdienste ersucht, „...inskünftig.dem Zahlenmaterial die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie dem Korpsmaterial“.
  • Ein Ereignis des Sommers 1983 wirft so hohe Wellen, dass gar eine Interpellation mit 23 Unterschriften eingereicht wird. Das im Zusammenhang mit dem Dorffest organisierte Nostalgie-Fussballspiel zwischen Altstars der Schweizerischen Nationalmannschaft und des BSC Young Boys wird aus Witterungsgründen durch einen fatalen Fehlentscheid bereits am Freitagmittag abgesagt. Das Wetter am darauffolgenden Samstag ist blendend und anstelle des „Spiels des Jahres“ wird ein gewöhnliches Meisterschaftsspiel durchgeführt.
  • Sehr visionär zeigt sich Peter Röthlisberger (FDP) schliesslich bezüglich Erschliessung des Rütiquartiers, welche er gern mit einem Förderband gelöst hätte.

1982 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Einführung der Sommerzeit auch in der Schweiz.
  • Die Berner Fasnacht wird nach 150-jährigem Schlaf wieder zum Leben erweckt.
  • Falkland-Krieg zwischen Argentinien und Grossbritannien.
  • Die Fürstin von Monaco, Garcia Patricia, kommt bei einem Autounfall ums Leben.
  • Helmut Kohl wird Bundeskanzler.

1982 - innerhalb der Gemeindegrenze

...der Ratsbetrieb Ostermundigen ist auch in diesem Jahr von den unter grossem Zeitdruck stehenden Verselbständigungsarbeiten geprägt...

  • Im Schnellzugstempo muss Reglement um Reglement beraten und genehmigt werden. Im Zusammenhang mit der neuen Gemeindeordnung wird heftig über die Wahl der Primarschulkommission gestritten. In geheimer Abstimmung wird - als „Sonderzügli“ für Ostermundigen - die Volkswahl beschlossen.
  • In der Beurteilung, dass die anzuschaffende Holzbaute als zusätzliche Büroräumlichkeiten für die Verwaltung die günstigste Lösung darstellt, herrscht für einmal Einstimmigkeit. Dies umso mehr, als sie „...in fünf bis sieben Jahren entweder verkauft oder anderweitig genutzt werden kann, sobald das Verwaltungszentrum gebaut ist.“
  • Das in die Selbstständigkeit tretende Parlament scheint nach den Worten des künftigen Ratspräsidenten auch sehr weltoffen zu sein. In seiner Antrittsrede gibt er sich nämlich davon überzeugt, dass „...nachdem die Ostermundiger während vieler Jahren einem Gemeindepräsidenten aus dem Appenzellerland ihr Vertrauen geschenkt haben, sie auch zwei Jahre einen Walliser überstehen und ertragen werden...“.

1981 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Staatsbesuche von Indira Gandhi, indische Premierministerin, und Sandro Pertini, italienischer Staatspräsident.
  • Immer noch und immer wieder Jugendunruhen.
  • Das Café „Rudolf“ am Bubenbergplatz schliesst für immer seine Pforten.
  • Die Arbeitslosenquote in der Schweiz beträgt durchschnittlich 0,2 %. Im Vergleich: EG-Staaten 8,5 %.

1981 - innerhalb der Gemeindegrenze

  • ... mit gemeindepräsidialen Ermahnungen „...man solle nicht immer der Verwaltung auf die Finger schauen, über sie schimpfen und aufpassen, dass sie nicht allzu gross und zu mächtig werde...“ startet der GGR Ostermundigen in seine 3. Legislaturperiode.
    Sitzverteilung: SP 19, FDP 8, SVP 5, CVP 3, EVP 3, LdU 2.
    Präsident: Hans-Ulrich Suter (FDP).
  • Endlich findet das arg kritisierte Vorgehenskonzept für die Verselbständigung Gnade vor dem Parlament, obschon dieses nach Auffassung der SP praktisch identisch ist mit dem im Vorjahr abgelehnten, nur etwas „akademischer“. Die Arbeitsgruppe „Verselbständigung“ wird eingesetzt.
  • Nebst dem Schwerpunktthema „Verselbständigung“ gelangen auch einige Detailfragen auf die Traktandenliste, so zum Beispiel die Reihenfolge der Hausnumerierung. Auf die einfache Anfrage Huber (EVP) erklärt der Gemeinderat ausführlich, weshalb die Hausnummer 100 nicht existiert. Der Grund ist folgender: „...Im Dialekt ist vielfach die Formulierung „i ga uf z’numero hundert“ (WC) üblich. Aus diesem Grunde wollen relativ viele Leute nicht in der .....strasse Nr. 100 wohnen.“
  • Für die überparteiliche Motion betreffend Naturgärten, Biotopen und Hecken plädiert Karl Hebeisen (SP) mit dem Verzweiflungsschrei: „...Suchen Sie einmal in unserem Dorf Margriten, die schönen weissen Blumen....“. Selbst der Gemeinderat gibt zu, dass „...es zutrifft, dass heute praktisch keine Sumpfgebiete mehr vorhanden sind. Dafür kennen wir das Sumpffieber nicht mehr.“

1980 - über die Gemeindegrenze geschaut

  • Das Rollschuhfieber aus Amerika erfasst auch die Schweiz.
  • Staatsbesuch von Königin Elizabeth II. von Grossbritannien.
  • Die Initiative gegen das „Oben-ohne-Baden“ wird wegen Formfehlers als ungültig erklärt.
  • Tod von Madame Elisabeth de Meuron-von Tscharner.
  • Bern wird von Jugendunruhen erfasst.
  • Der Grosse Rat beschliesst die Verselbständigung der Gemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen.

1980 - innerhalb der Gemeindegrenze

...im GGR wird schwerverdauliches gekaut, und schliesslich geschluckt...

  • Die Ortsplanung löst immer noch keine Begeisterung aus. Nach zähem Hin und Her wird sie schliesslich - nach dem Motto „lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ - genehmigt.
  • Kaum ist ein Brocken einigermassen verdaut, steht bereits der nächste an, nämlich die Verselbständigung, welche von der Viertelsgemeinde Ostermundigen in einer Konsultativabstimmung abgelehnt wurde. Eine wahrlich schwierige Situation, die insbesondere dem Gemeinderat grosses Kopfzerbrechen verusacht. Soll er nun die Verselbständigung vorbereiten, da sie vermutlich nicht zu umgehen ist, oder soll er den Willen des Souveräns respektieren und die Hände vorläufig in den Schoss legen? „...jetzt bewegen wir uns auf dem Gebiet der Schizophrenie...“ stellt der Vizegemeindepräsident denn auch etwas frustiert fest, versichert aber gleichzeitig „...der Gemeinderat hat bei diesem heiklen Fragenkomplex nicht geschlafen, sondern war mit einem Auge immer wach und mit dem anderen hat er geschielt, was „ännet dr Woble“ geschieht“.
  • Schliesslich wird dem Ganzen noch die Krone der Schaffung des Hauptamtes für den Gemeindepräsidenten aufgesetzt, was insbesondere hinsichtlich der Besoldungsfrage auch nicht so leicht verdaulich ist.
  • Als absoluten Hammer empfindet der Gemeindepräsident jedoch die vernichtende Kritik des Parlamentes zum gemeinderätlichen Vorgehensplan für die Uebernahme der Arbeiten der Einwohnergemeinde. Richtigehend sauer erklärt er „...nun die Diskussionen zu diesem himmeltraurigen Geschäft mitangehört zu haben. Bisher habe er immer noch geglaubt, der Gemeinderat sei das ausführende Organ der Gemeinde. Es sei aber bekannt, dass immer die „dümmsten“ vom Dorf in den Gemeinderat gewählt werden.“